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Ursachen und Hebel des Gender Pension Gaps in Deutschland

Gender Pension Gap Deutschland Altersvorsorge Frauen Käpsele

Beim Thema Geschlechterungleichheit steht häufig der Gender Pay Gap im Mittelpunkt. Der Gender Pension Gap wird dabei kaum erwähnt, obwohl er deutlich größer ist. Der unbereinigte Gender Pay Gap lag laut Statistischem Bundesamt 2021 bei 18 Prozent. Der Gender Pension Gap übersteigt das bei Weitem. Was er bedeutet, wie er entsteht und was sich dagegen tun lässt, erklären wir in diesem Artikel.

Was ist der Gender Pension Gap?

Der Gender Pension Gap (GPG) beschreibt den prozentualen Unterschied zwischen den durchschnittlichen eigenen Alterssicherungseinkommen von Frauen gegenüber Männern ab 65. Betrachtet wird dabei nur das eigene Alterseinkommen, nicht abgeleitete Ansprüche wie Witwenrenten, die das Bild der tatsächlichen Ungleichheit verzerren würden.

Die gesetzliche Rentenversicherung ist in Deutschland mit rund 60 Prozent der Alterseinkünfte weiterhin die wichtigste Vorsorgeform. Die betriebliche Altersvorsorge macht 8 Prozent aus, private Altersvorsorge 7 Prozent, sonstige Alterssicherungssysteme 14 Prozent. Weil die gesetzliche Rente so dominant ist und direkt an die Erwerbsbiografie geknüpft ist, schlägt sich jede Ungleichheit im Erwerbsleben unmittelbar auf die spätere Rente nieder.

Werden alle drei Säulen der Altersvorsorge betrachtet, liegt der GPG in Deutschland bei knapp 60 Prozent. Selbst unter denjenigen, die private Rentenleistungen beziehen, beträgt der Unterschied in der Höhe noch 44 Prozent. Im europäischen Vergleich belegt Deutschland damit Platz 3 der größten geschlechtsspezifischen Ungleichheiten bei der Rente.

Die Ursachen liegen vor allem am Arbeitsmarkt

Frauen haben in Deutschland im Durchschnitt lückenhaftere Erwerbsbiografien als Männer. Niedrigere Erwerbsbeteiligung, höhere Teilzeitquoten, häufigere und längere Erwerbsunterbrechungen sowie Minijobs ohne Sozialversicherungspflicht wirken kumulativ zusammen. Aus diesem Grund ist der GPG deutlich größer als der Gender Pay Gap allein.

Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap beschreibt den Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern auf Basis der absoluten Bruttostundenverdienste. Er schlägt sich direkt in der Rentenhöhe nieder, weil die Höhe der gesetzlichen Rente vom individuellen Gehalt abhängt.

Konkret bedeutet das: Eine Frau muss im Durchschnitt 43 Jahre ununterbrochen Beiträge in die gesetzliche Rente einzahlen, um auch nur das Niveau der Grundsicherung zu erreichen. Bei Männern reichen dafür im Schnitt 35 Beitragsjahre. Im europäischen Vergleich gibt es zwar keinen zwingend linearen Zusammenhang zwischen Gender Pay Gap und GPG, aber selbst eine vollständige Angleichung der Löhne würde den GPG um durchschnittlich 9 Prozentpunkte senken. Besonders für Westdeutschland korrelieren Gender Pay Gap und GPG signifikant miteinander.

Erwerbstätigenquote, Teilzeitquote und verkürzte Karrieren

Neben dem Gehalt bestimmt die Dauer der Beitragszahlung die spätere Rentehöhe. Erwerbsunterbrechungen wegen Kindererziehung wirken sich deshalb besonders stark aus. Der Bund gleicht das zwar über die Kindererziehungszeiten aus, also die Fortzahlung der Rentenbeiträge für bis zu 36 Monate nach der Geburt. Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit jedoch häufig länger. Eine weitere Kompensation findet dann kaum statt.

Laut Niessen-Ruenzi und Schneider lag die Teilzeitquote bei Frauen mit minderjährigen Kindern bei 66 Prozent. Bei Männern mit minderjährigen Kindern betrug sie nur 6 Prozent. Das zeigt sich messbar: Der GPG steigt bei jüngeren Generationen zwischen dem 30. und dem 60. Lebensjahr kontinuierlich an.

Zur Erwerbsbiografie gehört auch die Verteilung häuslicher Pflege- und Sorgearbeit. In 70 Prozent der Fälle übernehmen Frauen diese Aufgaben mit durchschnittlich 21 Wochenstunden unbezahlter Arbeit. Männer erledigen bei Hausarbeit und Kinderbetreuung zusammen nur etwa 37 Prozent der anfallenden Aufgaben. Diese Zeiten werden für die Rentenbezüge nicht angerechnet, wirken sich aber erheblich auf das Erwerbsleben von Frauen aus. Auch Pflegezeiten reichen als staatliche Kompensation bisher nicht aus, um den GPG nennenswert zu dämpfen.

Freiwillige Altersvorsorge verstärkt die Ungleichheit

Betriebliche und private Altersvorsorge sind in ihrer Ausgestaltung eng an stabile Beschäftigung und die Lohnhöhe geknüpft. Bei unsteter Erwerbstätigkeit verstärken sie die Ungleichheit der gesetzlichen Rente daher noch. Der GPG ist in Deutschland bei der freiwilligen Altersvorsorge höher als in der gesetzlichen Rente.

Nach Wagner et al. (2017) bezogen im Jahr 2015 5 Prozent der Männer Leistungen aus privaten Renten- und Lebensversicherungen, aber nur 2 Prozent der Frauen. Nach aktuelleren Daten der OECD (2021) lag der Anteil an Frauen mit privater Altersleistung in den Jahren 2016 bis 2018 bei 17 Prozent, während er bei Männern mit 29 Prozent fast doppelt so hoch war. Bereinigt man die betriebliche Altersvorsorge um alle Arbeitslosen, verschwindet jeder signifikante geschlechtsspezifische Unterschied. Die Ursache liegt also nicht in einer unterschiedlichen Bereitschaft zur Vorsorge, sondern ausschließlich in der unterschiedlichen Arbeitsmarktbeteiligung.

Gender Investment Gap

Abseits des Arbeitsmarkts gibt es einen weiteren Faktor: Frauen zeigen selbst bei gleichem Einkommen und gleichem Sparverhalten im Durchschnitt eine niedrigere Beteiligung an renditereicheren Anlagen. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen beim Anteil riskanter Anlagen am Gesamtportfolio beträgt über 30 Prozentpunkte. In Phasen hoher Inflation und niedriger Zinsen verstärkt sich dieser Effekt und führt nahezu sicher zu geringeren privaten Rentenanspüchen.

Ob das primär aus geringeren Sparspielräumen oder aus gesellschaftlich geprägten Verhaltensmustern resultiert, ist eine Frage der Verhaltensökonomie. In der Auswirkung tritt sie jedoch hinter den arbeitsmarktspezifischen Ursachen zurück.

Fazit und Lösungsansätze

Der Gender Pension Gap ist in Deutschland ein strukturelles Problem. Frauen müssen mit geringeren Rentenanspüchen bei gleichzeitig längerer Lebenserwartung fast fünf zusätzliche Jahre Rentenzeit abdecken. In der Geburtenkohorte bis 1970 führt das im Durchschnitt zu einer Altersrente unterhalb der Armutsgrenze.

Die Ungleichheiten entstehen nicht primär durch das Rentensystem selbst, sondern durch Ungleichheiten am Arbeitsmarkt. Der GPG ist in Ländern mit einem größeren Unterschied in der Erwerbsquote besonders hoch. Die Lösung sollte deshalb vor allem auf die Beseitigung von Ungleichheiten im Erwerbsleben gerichtet sein.

Konkrete Ansätze sind der Ausbau von Kindertagesstätten und Ganztagsbetreuung, besonders für Kinder unter 3 Jahren und Schulkinder. Dass das wirkt, zeigt Ostdeutschland: Dort ist der GPG deutlich niedriger als in Westdeutschland, weil die Infrastruktur zur Kinderbetreuung verbreiteter ist. Daneben sind die Ausweitung der Vätermonate im Elterngeld, eine Reform des Ehegattensplittings und eine stärkere Honorierung von Pflege- und Sorgearbeit für die Rentenanwartschaft diskutierte Maßnahmen. 2021 nahmen laut Statistischem Bundesamt nur 25,3 Prozent aller Väter Elterngeld in Anspruch.

Auch eine freiwillige Einzahlung des erwerbstätigen Elternteils in den Rentenplan des erziehenden Elternteils wäre denkbar und könnte über Steuervorteile gefördert werden. Internationale Modelle wie staatliche Rentenzuschüsse pro Kind nach chilenischem Vorbild oder zusätzliche Einzahlungen nach estnischem Modell zeigen, dass politische Spielräume bestehen.

Auf individueller Ebene kann finanzielle Bildung einen wichtigen Beitrag leisten, um den Gender Investment Gap zu schließen. Wer früh mit einer eigenständigen privaten Altersvorsorge beginnt, kann einen Teil des strukturellen Nachteils ausgleichen.

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